Skip to main content
Home » „einmal Öko Strom Bitte“ So Funktioniert Der Stromeinkauf Bei Mediamarktsaturn
23.04.2019

„Einmal (Öko-)Strom bitte“: So funktioniert der Stromeinkauf bei MediaMarktSaturn

Seit 2 Jahren bezieht MediaMarktSaturn (MMS) für seine Märkte in Deutschland zertifizierten Ökostrom aus 100% deutscher Wasserkraft. Anders als Privathaushalte kauft MMS keine Standardtarife beim Versorger, sondern direkt mit Hilfe der Energieversorger am Energiemarkt ein. Wie genau dieser „Stromhandel“ funktioniert und warum Ökostrom für das Unternehmen so wichtig ist, erläutert Tobias Brunnhuber, Referent Energiemanagement bei MediaMarktSaturn Deutschland, im Gespräch mit Sustainability News.

Seit der Liberalisierung der Energiemärkte wird auch Strom am Markt frei gehandelt. In Deutschland gibt es dafür im Wesentlichen zwei Marktplätze: Den so genannten OTC-Handel und den Handel über die Strombörse EEX (European Energy Exchange) in Leipzig.

Im Prinzip kann jedes Unternehmen direkt am Stromhandel teilnehmen. Wirtschaftlich sinnvoll ist das vor allem für große Unternehmen mit einem hohen Stromverbrauch. Denn für sie ist Strom ein wesentlicher Kostenfaktor. Für kleine Gewerbebetriebe mit einem geringen Jahresverbrauch bieten sich hingegen die standardisierten Tarifprodukte der Versorger an. Dabei verantwortet der Stromversorger den Einkauf und bietet dem Kunden quasi ein „Rundum-Sorglos-Paket“ – so, wie auch im Privatkunden-Geschäft.

Für den Geschäftsbetrieb von MediaMarktSaturn ist Strom eine wesentliche Ressource. Die Märkte brauchen Strom für die Belüftung und Kühlung, aber auch für die Beleuchtung und natürlich für den Betrieb der ausgestellten Elektronikprodukte. Zuverlässig, kostengünstig und langfristig kalkulierbar mit Strom beliefert zu werden, ist deshalb von grundlegender Bedeutung.

Entsprechend nimmt die Unternehmensgruppe den Stromeinkauf selbst in die Hand und wickelt die Geschäfte über seine Energiepartner direkt am OTC-Handel ab. Tobias Brunnhuber ist Referent Energiemanagement bei MediaMarktSaturn Deutschland und sorgt dafür, dass bundesweit alle Märkte zuverlässig mit Energie versorgt werden und der eingekaufte Strom hohen Nachhaltigkeitsansprüchen genügt.

Strombeschaffung über OTC-Handel

Der Großteil des Stromhandels in Deutschland finden nicht über die Strombörse EEX statt, sondern über den so genannten „Over-The-Counter“-Handel („über die Ladentheke“). Beim OTC schließen Stromverkäufer und Stromeinkäufer direkt miteinander einen Kaufvertrag ab.

In beiden Fällen unterscheidet man außerdem zwischen einem Spot- und einem Terminmarkt.

  • Am Terminmarkt findet der Handel von Jahres-, Quartals- und Monatsprodukten mit bis zu drei Jahren Vorlauf statt. Grundsätzlich dient dieser Markt dazu, sich gegen Preisschwankungen abzusichern.
  • Am Spotmarkt wird der kurzfristige Bedarf des nächsten Tages gehandelt. Dies dient der kurzfristigen Absatz- und Beschaffungsoptimierung.

Stromhandel MediaMarktSaturn

Tobias Brunnhuber kauft den Strom für MediaMarktSaturn bis zu zwei Jahre im Voraus über den Terminmarkt ein.

„Da die Strompreise und Verfügbarkeiten stark schwanken, kaufen wir nicht alles auf einmal ein, sondern verteilt auf bis zu acht Tranchen, bis wir 100 Prozent zusammen haben. Die Herausforderung besteht darin, jeweils einen Zeitpunkt zu erwischen, an dem der Strompreis möglichst niedrig ist. Dann geben wir ein Signal an den Versorger, eine bestimmte Menge x einzukaufen“ erläutert Tobias Brunnhuber sein Vorgehen. Durch dieses Vorgehen minimiert MMS das Preisrisiko in einem Markt, in dem sich die Preise schnell ändern können.

Der professionelle Stromeinkauf verlangt, dass man täglich die Märkte im Auge behält. „Der Preis wird von vielen Faktoren beeinflusst. Aktuell sind der weltweite Kohlepreis und der Preis für CO2-Zertifikate die wichtigsten Einflussgrößen. China hat mit seinem gigantischen Energiehunger direkten Einfluss auf den deutschen Strompreis, denn noch wird ein erheblicher Teil des Stroms in Deutschland aus Kohle gewonnen“, so Tobias Brunnhuber.

Und wie genau kauft man Ökostrom ein?

Der Strom, der in den Märkten von Saturn und MediaMarkt aus der Steckdose kommt, ist physikalisch betrachtet der gleiche Strom wie vor der Umstellung auf Ökostrom. Er entspricht dem deutschen Strommix aus Kohlestrom, Atomkraft und erneuerbaren Energien. Damit dieser Strom „grün“ wird, wird der Versorger zusätzlich mit dem Einkauf von Ökostrom-Zertifikaten in entsprechender Menge beauftragt. Dies ist das übliche Vorgehen beim Bezug von Ökostrom.

Die Vorgabe von MediaMarktSaturn an den Versorger lautet dabei, dass der Grünstrom den Anforderungen des TÜV Süd Typ EE entsprechen und ausschließlich auf deutscher Wasserkraft basieren muss. Entsprechende Herkunftsnachweise werden eingekauft. Bilanziell gehört MediaMarktSaturn damit ein klar definierter Anteil am Strom aus deutschen Wasserkraftwerken.

Warum ist Ökostrom für MediaMarktSaturn so wichtig?

KlimaschutzstrategieNoch ist die Kilowattstunde Grünstrom teurer als günstiger Graustrom . Die mehr als 400 deutschen Märkte auf erneuerbare Energien (EE) umzustellen kostet also Geld. Für die MediaMarktSaturn Retail Group ist das trotzdem von strategischer Bedeutung. Denn allein durch den Bezug von Ökostrom verbessert die Unternehmensgruppe ihre CO2-Bilanz um mehr als 50 Prozent. Der Grund: Aktuell entfallen mehr als die Hälfte der operativen Treibhausgasemissionen auf den Stromverbrauch. Neben dem systematischen Energiemanagement ist der Bezug von Ökostrom damit eine der wichtigsten Maßnahmen im Rahmen der MediaMarktSaturn-Klimaschutzstrategie.